So vieles verändert sich
Tipps für die Partnerschaft und Elternschaft aus dem 2. Elternbrief Gut durch die ersten Monate
Wenn Sie hin und wieder Frust verspüren angesichts der neuen Situation oder sich überfordert fühlen, sind Sie in guter Gesellschaft: Vielen Eltern geht es ähnlich. Der Übergang zum Elternsein stellt einen großen Einschnitt in die Beziehung des Paares dar.
Leben die Eltern schon länger zusammen und haben schon viel Erfahrung im Umgang mit Kleinkindern oder erfahren viel Unterstützung von außen, so fällt die Umstellung meist leichter.
Stellen Eltern sein, Partner sein sich in dieser Zeit hingegen zusätzliche Belastungen ein, wie zum Beispiel finanzielle Sorgen, eine Krankheit oder Behinderung des Kindes, oder auch Zwillings- oder gar Drillingsgeburten, so wird die Phase des Überganges häufig als schwieriger erlebt.
In jedem Fall beansprucht das Baby Raum, Zeit, Zuwendung: von Ihrem Raum, Ihrer Zeit, Ihrer Zuwendung, die Sie bisher für sich selbst, oder wenn Sie als Paar zusammenleben, für Ihren Partner, Ihre Partnerin genutzt haben.
Jetzt sind Sie Eltern und müssen teilen, neu verteilen. Das bedeutet, dass sich Gewichte verschieben, aber neue Qualitäten gewonnen werden. Die Suche nach dem Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen in Ihrer Familie – wer immer daran eng beteiligt ist – wird ein ständiger Prozess bleiben. Leider gibt es keine Rezepte, wie aus einem glücklichen Paar eine glückliche Familie wird.
Jedes Paar muss seinen Weg finden, den neuen Alltag zu gestalten. Das ist nicht immer einfach. Eine wichtige Hilfe dabei ist das Gespräch, der Austausch miteinander.
Infos und Anregungen
- Jetzt gilt es zu überlegen, wie die nächste Zeit gemeinsam gestaltet werden kann: Die verschiedenen Aufgaben aufteilen, feste Absprachen treffen und Kompromisse finden gehört dazu. Gesetzlich ist eine Elternzeit sowohl für Mütter als auch für Väter möglich.
- Miteinander sprechen, einander zuhören, schafft immer wieder aufs Neue Vertrauen: Nehmen Sie sich bewusst Zeit, erzählen Sie einander, wie es Ihnen geht, was ihnen tagsüber durch den Kopf gegangen ist, was Sie beschäftigt, freut oder belastet.
- Wichtig ist die Bereitschaft, sich auf die neue Situation einzulassen und gewisse Abhängigkeiten und Einschränkungen zu akzeptieren. Und Vertrauen darauf, dass diese Durststrecke gemeinsam mit Geduld sowie Verständnis und Respekt füreinander durchgestanden werden kann. Zeitlich betrifft sie doch nur einen kleinen Teil der gesamten Partnerschaft.
- Familienforscher haben beobachtet: Manche Mütter neigen in der Anfangszeit dazu, ganz in der Beziehung zum Kind aufzugehen. Manche Väter hingegen ziehen sich eher von allem zurück. In solchen Situationen empfehlen sie: Die Mutter sollte den Vater darin unterstützen, eine gute Beziehung zum Kind aufzubauen und darauf achten, die eigene Beziehung zu ihm zu pflegen. Der Vater sollte sich bewusst um eine gute Beziehung zum Kind bemühen und die Mutter unterstützen.
- Bei allem Sinn für die Familie ist es aber ebenso wichtig, dass sich Mutter und Vater zwischendurch bewusst abgrenzen und einfach nur wieder Mann und Frau sind. Das bedeutet: Alleine ausgehen, gemeinsam etwas unternehmen und über Dinge reden, in denen die Wörter Kind und Erziehung nicht vorkommen. Auch mit dem Säugling ist Zweisamkeit möglich, zum Beispiel bei einem gemeinsamen abendlichen Spaziergang.
- Wie Sie sich in Ihrer neuen Rolle fühlen, hat viel mit dem zu tun, was Sie daraus machen. Wenn Sie sich zu Hause eingesperrt fühlen und Ihnen Kontakte fehlen, können Sie etwas dagegen unternehmen. Möglichkeiten gibt es zahlreiche. In vielen Orten gibt es Treffpunkte für Eltern.
- Wenn Sie neben Ihrem Baby gern auch noch etwas anderes sehen und hören möchten, können Sie sich bemühen, sich persönlichen Freiraum zu schaffen. Ausgeglichene und zufriedene Mütter und Väter tun auch dem Baby gut.
- Wenn dennoch ernste Schwierigkeiten auftreten und Sie allein nicht aus der Krise herauskommen, kann es hilfreich sein, mit anderen Eltern zu sprechen, die auch gerade Nachwuchs bekommen haben. Manchmal hilft es schon zu erfahren, dass man nicht allein ist und dass die eigenen Ängste und Bedürfnisse völlig normal sind. Auch ein Besuch in einer Beratungsstelle bringt häufig Erleichterung: Oft gelingt es schon nach wenigen Gesprächen, eingefahrene Gleise zu verlassen.