Eine glückliche Partnerschaft
Tipps für die Partnerschaft und Elternschaft aus dem 4. Elternbrief - 12-24 Monate: Gehen, sprechen, selber machen
Eine glückliche Partnerschaft zu führen, ist für die meisten Menschen der größte Wunsch im Leben: Eine, in der man sich gegenseitig respektiert, liebt, zärtlich und treu ist. Doch was braucht es, damit eine Partnerschaft längerfristig gelingt? Und glücklich bleibt, auch wenn es zeitweise recht anstrengend ist, weil man zum Beispiel ein oder mehrere kleine Kinder hat?
Doch was braucht es, damit eine Partnerschaft längerfristig gelingt? Und glücklich bleibt, auch wenn es zeitweise recht anstrengend ist, weil man zum Beispiel ein oder mehrere kleine Kinder hat?
Eine glückliche Partnerschaft zu führen, ist anspruchsvoll.
Ob sie über Jahre hinweg zufrieden stellend und glücklich verläuft, hängt zu einem großen Teil davon ab, wie es dem Paar gelingt, mit Veränderungen umzugehen und an diesen Aufgaben zu wachsen. Überraschender Weise haben zum Beispiel körperliche Attraktivität, Intelligenz, Alter, Einkommen, Bildung oder das Ausmaß der Verliebtheit zu Beginn der Beziehung wenig Einfluss darauf.
Viel wichtiger ist es, dass die Partner gut miteinander sprechen können. Dass es ihnen gelingt, die Alltagsprobleme miteinander zu lösen. Und dass sie den Alltagsstress wirksam bewältigen können.
Aufteilung der Arbeiten in der Familie
Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist, besonders in den ersten Lebensjahren der Kinder, immer wieder jene der Aufteilung der Arbeiten in der Familie. Es hat sich gezeigt, dass es häufig zu Spannungen führen kann, wenn es einem Paar nicht gelingt, sich auf eine Aufteilung zu einigen, die den Bedürfnissen beider entspricht. Das ist auch nicht so einfach, auch gesellschaftliche Bedingungen erschweren dies häufig.
Andererseits leben vor allem jene Paare eine glückliche Beziehung, in denen beide mit ihrer Rollenaufteilung zufrieden sind und die Arbeit des/der jeweils anderen schätzen.
Übernimmt zum Beispiel ein/e PartnerIn gerne für eine bestimmte Zeit die Betreuung der Kinder und einen größeren Teil der Hausarbeit und die/der andere einen größeren Teil der Berufsarbeit, so ist die Zufriedenheit des Paares wahrscheinlich relativ groß. Ebenso, wenn beide gerne ihrem Beruf nachgehen und sich die Betreuungs- und Hausarbeit teilen.
Wie in der Partnerschaft miteinander sprechen
Die Art, wie Paare miteinander sprechen, kann ganz unterschiedlich sein und trägt viel zur Zufriedenheit oder Unzufriedenheit in der Partnerschaft bei: Manchen Paaren gelingt es, meist aufmerksam und zärtlich miteinander zu sein, sich in den/die jeweils andere/n einzufühlen. Sie stimmen sich häufig zu, suchen nach Übereinstimmung und Versöhnung.
Auch Humor, und manchmal einfach das Thema wechseln, trägt zu einer positiven Stimmung bei. Andere Paare tauschen häufig verletzende oder ablehnende Bemerkungen aus. Sie nehmen sich wenig Zeit füreinander oder meiden gemeinsame Gespräche. Dieses Verhalten führt eher dazu, dass sich Diskussionen aufschaukeln und es zum Streit kommt.
Infos und Anregungen
Weniger Stress
Der Umgang mit Stress spielt eine wichtige Rolle in Beziehungen: Es gibt viele Paare, die gut miteinander sprechen und Probleme gut lösen können. Doch unter Stress gelingt beides dann häufig weniger gut.
Folgende Anregungen können vielleicht helfen, Stress zu reduzieren:
- Eine Menge Stress im Alltag kann durch eine gemeinsame gute Organisation und Planung des Familienalltags reduziert werden. Hier kann ein Familienkalender hilfreich sein, auf dem alle Termine der einzelnen Familienmitglieder eingetragen werden.
- Auch die finanzielle Seite im Blick zu haben, hilft, Stress zu vermindern. Da kann zum Beispiel ein Haushaltsbuch gute Dienste leisten: Man trägt alle Ein- und Ausgaben ein und sieht, woher das Geld kommt und wohin es fließt. Sowohl die Caritas (externer Link) als auch die Verbraucherzentrale (externer Link) bieten Haushaltsbücher an.
- Sich gemeinsam zu überlegen, welche persönlichen, familiären und beruflichen Ziele beide Partner haben, kann Stress reduzieren. Ebenso, zu überlegen, was zeitlich abgestimmt werden kann.
- Günstig ist es, wenn beide Partner sowohl für sich allein als auch als Paar stressfreie Inseln aufbauen, an denen sie Zeit für sich selbst und für einander haben und die das „Aufladen der Batterien“ erlauben.
- Als Paar kann es zum Beispiel bereichernd sein, sich abends, wenn das Kind/die Kinder im Bett sind, bewusst Zeit füreinander zu nehmen und es sich gemütlich zu machen, z.B. bei einem schönen Film. Auch gemeinsam immer wieder einmal etwas Neues, Freudiges zu unternehmen, stärkt die Beziehung. Vielleicht kann inzwischen eine vertraute Person für das Kind sorgen?
- Wichtig kann es sein, zu lernen, mit Alltagsbelastungen wirksam umzugehen, indem diese Anforderungen realistisch wahrgenommen und angegangen werden. Durch das positive Lösen von Herausforderungen erkennt man immer wieder die Wirksamkeit des eigenen Handelns und das stärkt.
- Das beste Mittel gegen das Abflauen der Liebe in einer Beziehung ist das gegenseitige Interesse und die gegenseitige Unterstützung: Wenn Frauen und Männer das Gefühl haben, ihr Partner/ihre Partnerin interessiert sich für sie beziehungsweise bemüht sich aktiv, sie zu entlasten, geht es beiden entscheidend besser.
Infos und Anregungen
- Manchmal stehen auch die eigenen hohen Erwartungen an die Partnerschaft beziehungsweise an die Partnerin/den Partner dem Glück entgegen: Häufig sind diese Erwartungen sehr hoch, manchmal auch unrealistisch und für den anderen/die andere schwer zu erreichen.
- Im Verlauf einer Partnerschaft entwickeln sich die PartnerInnen meist weiter: Sie sind dann vielleicht gar nicht mehr die gleichen Personen wie damals, als Sie sich kennen gelernt haben. Es ist daher wichtig, die Erwartungen an die Partnerschaft realistisch zu halten und zu erkennen, dass eine Partnerschaft sich immer weiterentwickelt. Beide können miteinander Schritt halten, wenn sie sich gegenseitig für die Interessen und Weiterentwicklung des Gegenüber interessieren. Und sich auch selbst weiterentwickeln.
- Die Partnerin/den Partner nach den eigenen Vorstellungen zu formen oder zu verändern, das klingt vielleicht verlockend. Verhaltensweisen oder Eigenschaften des Partners/der Partnerin, die sehr störend sind und mit denen nur schwer gelebt werden kann, sollten angesprochen und der Wunsch nach Veränderung geäußert werden. Was allerdings nicht verändert werden kann, muss bis zu einem gewissen Grad akzeptiert werden. Durch diese Haltung wird Veränderung häufig einfacher möglich, weil kein Druck besteht, dem man nicht gewachsen ist oder gegen den man sich auflehnt.
- Eine glückliche Partnerschaft zu führen ist immer auch eine Balance zwischen Wünschen und Kompromissen. Beides sollte möglich sein.
Wie sag ich’s am besten?
Von sich selbst zu sprechen, die eigenen Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse klar zu sagen, birgt eine große Chance: Der Partner/die Partnerin erfährt, wie es einem momentan geht und warum man dieses Anliegen hat. Das heißt noch nicht, dass jeder Wunsch gleich erfüllt wird. Aber die Chancen stehen besser und es gibt weniger Missverständnisse.
So lieber nicht:
Du räumst deine Sachen im Wohnzimmer nie weg. Jemand müsste sich um die Kinder kümmern!
Besser so:
Es stört mich, wenn Dinge im Wohnzimmer herumliegen. Bitte achte darauf, alles wegzuräumen, was du nicht mehr brauchst.
Kritik üben
Wenn etwas nicht so geklappt hat, wie es hätte sollen, ist es wichtig, konkret zu sagen, was einen ärgert und sich nur auf den aktuellen Kritikpunkt zu beziehen.
So lieber nicht:
Du hältst nie, was du versprichst!
Besser so:
Du hattest mir versprochen, heute das Geld an unsere Vermieterin zu überweisen. Es ärgert mich, dass du das nicht getan hast.
Positive Rückmeldungen sollten um vieles häufiger gegeben werden als negative.
Vielen fällt es leichter, den Partner/die Partnerin zu kritisieren, als etwas Nettes zu sagen. Für eine glückliche Partnerschaft ist es wichtig, nichts für selbstverständlich zu nehmen, sondern auch für alltägliche Gesten Anerkennung und Wertschätzung zu zeigen. Zum Beispiel für das „Bekocht-Werden“, für das Zuhören, für das, was einem gut tut und worüber man sich freut, oder einfach dafür, dass der/die andere an meiner Seite ist.
Gut zuhören ist gar nicht so einfach
„Du bist mir wichtig. Was du sagst, interessiert mich“: Damit die Partnerin/der Partner dieses Gefühl bekommt, muss vielleicht die Zeitung aus der Hand gelegt werden, der Fernseher ausgeschaltet, müssen die Kinder mal ins eigene Zimmer geschickt werden. Das Gespräch kann auch auf einen anderen Zeitpunkt verschoben werden, wenn die Situation gerade nicht günstig ist. Zum Beispiel auf den nächsten Abend, an dem in aller Ruhe darüber gesprochen werden kann. Allerdings sollte dieser Termin dann wirklich eingehalten werden.
- Es geht darum, wirklich zu verstehen, was der Partner/die Partnerin mitteilen will. Dazu kann das Gesagte kurz zusammengefasst und eventuell nachgefragt werden: „Habe ich das richtig verstanden, du möchtest …“ Auf diese Weise wird deutlich, dass sich der/die Zuhörende wirklich für das Gesagte interessiert, er/sie bekommt weitere Informationen, und eventuelle Missverständnisse können gleich aus dem Weg geräumt werden.
- Auch wenn man sich schon sehr gut kennt, ist es meist besser nachzufragen, als etwas zu „unterstellen“, besonders, da wirklich niemand Gedanken lesen kann. Menschen verändern und entwickeln sich im Laufe der Jahre. Das kann die Partnerschaft jung und interessant halten.
- Gute ZuhörerInnen zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie zunächst ihre eigenen Interessen zurückstellen und dem Gegenüber erst einmal Zeit geben, die Situation oder das Problem zu schildern. Oft verändert sich dabei schon der Blickwinkel; manches sortiert sich oder wird klarer. Es geht also nicht darum, sofort eine Lösung anzubieten oder einen fertigen Handlungsplan parat zu haben, denn der Gesprächspartner/die Gesprächspartnerin will zunächst einmal nur verstanden werden.