Wenn Kinder selbständig werden, gewinnt das Elternpaar Freiräume
Tipps für die Partnerschaft und Elternschaft aus dem 9. Elternbrief - Wenn die Pubertät beginnt - 10 - 13 Jahre
Wenn Kinder selbstständiger werden, steht auch für die Mutter und den Vater manche Veränderung an. Einerseits haben sie nun vielleicht wieder etwas mehr Zeit für sich selbst und füreinander und genießen diese auch.
Sie wissen (und hoffen), dass sie ihren Kindern vieles mitgegeben haben und dass die gute Beziehung zu ihnen weiter gut bleiben wird, auch wenn sie sich nun verändert.
Andererseits kann diese Phase, wie alle großen Phasen der Veränderung, auch anspruchsvoll für Eltern sein: Vielleicht fällt es ihnen schwer zu erleben, dass die Beziehung zum Kind sich verändert, ebenso wie das Familienleben, das sie in den vergangenen Jahren lieb gewonnen haben. Es bedeutet auch, einen anderen Stellenwert für das Kind zu bekommen. Die Konzentration auf die Kinder hat vielleicht manches im eigenen Leben in den Hintergrund treten lassen, weil einfach die Energie fehlte, eigene Bedürfnisse, Wünsche, Interessen, Hobbys oder die Beziehungspflege zu bedenken oder anzugehen.
Diese Veränderungen können vorerst von Gefühlen der Verunsicherung und auch der Trauer begleitet sein, bei gleichzeitiger Freude über die Chance, sich nun wieder mehr auf sich selbst besinnen zu können und Freiräume zu gewinnen.
Manchmal hilft es Müttern und Vätern, sich selbst etwas mehr Aufmerksamkeit zu gönnen, Hobbys anzufangen, Neues zu lernen, sich künstlerisch oder politisch zu engagieren. Das kann zufrieden machen und das Loslassen erleichtern. Auch Gespräche mit Freunden/Freundinnen , die sich in einer ähnlichen Situation befinden oder diese Erfahrung schon hinter sich haben, können unterstützend wirken, ebenso wie Bücher zum Thema.
Auch für das Paar verändert sich einiges: Die jugendlichen Krisen stellen die Beziehung von Mutter und Vater manchmal vor große Herausforderungen. Die Sorge um die Heranwachsenden und die Auseinandersetzungen, die nun vielleicht vermehrt auftreten, können belasten und Zeit in Anspruch nehmen. Hier ist es für Eltern wichtig zu erkennen, dass das weniger mit ihrer Beziehung zueinander zu tun hat, als mit dieser Phase des Familienlebens. Und zu versuchen, gemeinsam einen guten Weg zu finden, damit umzugehen. Die Auseinandersetzungen mit den Jugendlichen können die Partnerschaft auch stärken.
Möglicherweise hat man nun wieder mehr Zeit füreinander und ist das gar nicht mehr so gewohnt. Vielleicht ist es jetzt notwendig, sich sowohl als eigenständige Person als auch als Paar weiterzuentwickeln. Dabei wird Gewohntes hinterfragt, besprochen und an die neuen Bedürfnisse angepasst. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen und ist manchmal auch nicht so einfach. Wieder gemeinsam auszugehen, neue Seiten aneinander zu entdecken, Freunde/Freundinnen zu treffen, Spaziergänge zu unternehmen, Kino- oder Theaterbesuche, vielleicht auch Hobbys zu finden, die man zusammen pflegen kann, kann dabei helfen.
Pubertierende Teenager haben meist kein Problem, wenn die Eltern auch einmal alleine etwas unternehmen wollen. Im Gegenteil: Abgesehen von der „sturmfreien Bude“ oder der intensiven Zeit, die sie mit ihren Großeltern, anderen Verwandten oder ihren Freunden währenddessen verbringen dürfen, tut es Heranwachsenden gut zu sehen, dass ihre Eltern Freude am Leben haben. Um sich im Laufe der Pubertät von ihnen lösen zu können, ist für Heranwachsende die Sicherheit wichtig, dass ihre Eltern auch ohne sie noch etwas mit sich anzufangen wissen. Pubertät bedeutet also nicht nur für die Kinder, sich zu entwickeln, sondern auch für die Eltern. Damit sie ihre Kinder dabei unterstützen können, erwachsen zu werden. Kindern, die spüren, dass sie nicht der einzige Lebensinhalt der Eltern sind, fällt es häufig leichter, ihre Interessen und Bedürfnisse auszuleben.