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Die sieben Geheimnisse glücklicher Beziehungen

Tipps für die Partnerschaft und Elternschaft aus dem 7. Elternbrief Die Entwicklung des Kindes zwischen 5-7 Jahren

Warum sind Paarbeziehungen manchmal so schwierig? Warum gelingen manche Beziehungen und andere drohen immer wieder zu zerbrechen? Und was kann man tun, um eine Beziehung langfristig stabil und glücklich zu gestalten?

Der Ehe- und Familienpsychologe John M. Gottman hat diese Fragen viele Jahre lang erforscht und Antworten darauf gefunden. Er meint, es seien besonders sieben Geheimnisse, die Paarbeziehungen langfristig positiv beeinflussen:

  1. Glückliche Paare sind aufs Engste vertraut mit der Welt des Partners. Sie kennen die wichtigsten Ereignisse in seinem Leben und achten darauf, über die aktuellen Entwicklungen und Veränderungen auf dem Laufenden zu bleiben. „Er“ weiß zum Beispiel, wie „sie“ sich mit ihrer Chefin versteht oder welche ihre Lieblingsmarmelade ist. „Sie“ weiß, dass es ihm wichtig ist, seine Unterlagen immer schön geordnet zu haben und mit welchem Kollegen er sich schwertut. Jede/jeder interessiert sich für die Ziele, Befürchtungen und Hoffnungen des anderen, fragt immer einmal wieder nach, was ihn wirklich bewegt. Und erhält sich die Freude daran, den Lebenspartner stets von Neuem interessant zu finden.
  2. Weiters sind Zuneigung und Bewunderung zwei bedeutende Elemente in gelingenden Liebesbeziehungen. Sich die positiven Seiten des Partners immer wieder vor Augen zu führen und sie zu würdigen, Zuneigung und Bewunderung zu zeigen, stärkt und erfüllt Beziehungen. Wenn ein Partner beispielsweise Dinge anspricht, die den anderen zurzeit beschäftigen, seine Gefühlsäußerungen wohlwollend zur Kenntnis nimmt oder seine Vorlieben beachtet, fühlt sich der andere angenommen und bestätigt.
  3. In ganz besonderem Maße stärkt Zuwendung die gefühlsmäßige Verbundenheit. Es geht nicht um große Romantik in besonderen Situationen, sondern darum, sich jeden Tag in vielen kleinen Gesten Aufmerksamkeit, Liebe, Humor und Unterstützung zu zeigen: beim Frühstück, beim gemeinsamen Einkaufen, bei der abendlichen Heimkehr. Die positive Zuwendung sollte rund fünfmal so häufig sein wie ein kritisches oder negatives Verhalten.
  4. In Partnerschaften gibt es immer wieder verschiedene Meinungen: Wofür soll Geld ausgegeben werden? Wer soll was im Haushalt übernehmen? Oft können beide Standpunkte nebeneinander stehen bleiben, oft braucht es aber auch Entscheidungen. Diese gleichberechtigt zu fällen, stärkt: Beziehungen, in denen sich beide Partner mit Respekt begegnen und sich gegenseitig beeinflussen lassen, verlaufen glücklicher und funktionieren besser.
  5. Die Art und Weise, wie Probleme angesprochen und gelöst werden, spielt eine große Rolle in Beziehungen. Störendes bald ansprechen, einen sanften Einstieg wählen, das sind Geheimrezepte in Konflikten. Die Partner sollten ihre Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken und klar sagen, was sie möchten (und nicht, was sie nicht möchten). Durch Ich-Botschaften können Wünsche klar, freundlich, verständnisvoll dargelegt werden. Im Laufe eines Konfliktgespräches kann es zu einer Überflutung von Gefühlen und Stresshormonen kommen. Wenn beide Partner zu aufgeregt sind, um wirklich zu hören, was ihr Gegenüber sagt, sollten sie das Gespräch unterbrechen: „Lass uns mal eine Pause machen.“ Und sich vorerst ablenken und entspannen. Anschließend fallen Kompromisse häufig leichter.
  6. Manche Paare haben das Gefühl, dass ihre Werte, Einstellungen und Träume einfach nicht zusammenpassen. Beide Sichtweisen haben ihre Berechtigung, lassen sich aber nicht vereinbaren. In glücklichen Beziehungen versuchen beide Partner, die Unterschiede zwischen sich zu akzeptieren, anzuerkennen, und damit umzugehen – meist mit Humor.
  7. Eine weitere tragende Säule langfristiger Beziehung ist eine gemeinsame Paar-Kultur. Diese entwickelt sich durch Gewohnheiten, Rituale der Verbundenheit und gemeinsame Erlebnisse. Im Laufe der Zeit entsteht immer mehr Wir-Gefühl und eine gemeinsame Geschichte, auf die das Paar zurückblicken kann. Besonders gemeinsame Ziele und Wertvorstellungen geben einem Paar Orientierung und Ausrichtung und sind damit wichtig für eine stabile Beziehung.

Die magischen fünf Stunden

John M. Gottman hat in seinen Studien auch herausgefunden, dass eine wichtige Gemeinsamkeit glücklicher Ehepaare die ist, dass sie mehr als andere darauf achten, ungefähr fünf Stunden in der Woche miteinander zu verbringen, zum Beispiel:

2 Minuten x 5 Tage = 10 Minuten X 5 Tage 

  • Trennungen: Sie erzählen sich morgens kurz, was sie an diesem Tag vorhaben und verabschieden sich liebevoll.

20 Minuten x 5 Tage = 40 Minuten X 5 Tage 

  • Wiedersehen: Sie begrüßen sich herzlich, wenn sie sich wiedersehen. Sie sprechen kurz darüber, wie ihr Tag war und hören sich verständnisvoll zu, ohne ungefragte Ratschläge oder Problemlösungen anzubieten.

5 Minuten x 7 Tage = 35 Minuten X 5 Tage 

  • Bewunderung und Anerkennung: Sie finden jeden Tag einen oder mehrere Anlässe, um sich gegenseitig ihre Zuneigung und Wertschätzung zu zeigen, sich ehrlich anzuerkennen oder zu bewundern: „Du siehst so fröhlich aus.” „Du riechst so gut." "Ich sehe dich so gerne lachen.” „Danke, dass du das gemacht hast.”

5 Minuten x 7 Tage = 35 Minuten X 5 Tage 

  • Zuneigung: Sie gehen liebevoll miteinander um, berühren, umarmen, halten, küssen sich, auch abends vor dem Einschlafen, um eventuelle Gereiztheiten, die sich den Tag über aufgebaut haben, loszulassen.

2 Stunden Wochenende 

  • Wöchentliche Treffen: Sie gönnen sich jede Woche eine stressfreie, entspannte Zeit miteinander, beim Essen, Wandern, Radfahren usw. Sie erzählen sich, was sie beschäftigt und bewegt, machen Zukunftspläne oder sprechen rechtzeitig eventuelle Meinungsverschiedenheiten an. So bleiben sie verbunden.

Insgesamt: 5 Stunden pro Woche